Donauschwaben
Donauschwäbische Landsmannschaft in Kärnten

Eindrucksvolles Heimatgedenken in Gurk

Neuer Appell an Laibach und Prag

Mit einem eindrucksvollen Festakt wurde am 25. September in Gurk von den Volksdeutschen Landsmannschaften der Aufnahme in der neuen Heimat Österreich gedacht. Gleichzeitig wurde eine „Gurker Deklaration“ verabschiedet, in der an Tschechien und an Slowenien appelliert wird, die dort noch bestehenden Gesetze und Dekrete aus den Jahren 1945 und 1946 aufzuheben. Slowenien habe noch immer nicht die deutsche Volksgruppe in die Verfassung aufgenommen während Prag weiter eine Wiedergutmachung ablehnt.

Zu Beginn der Feier wurden an den Denkmälern der Volksgruppen Kerzen entzündet und Kränze niedergelegt, wozu die Trachtenkapelle Isopp das Lied vom „Guten Kameraden“ intonierte. Im langen Zug bewegten sich hunderte Teilnehmer zum Dom, wo am Eingang die Gurker Bänderhutfrauen ein Spalier bildete.

Die Begrüßung in dem bis auf den letzten Platz besetzten Dom nahm Pater Leo Tenner vor. Er bezeichnete die Kirche als Heimat für alle. Prälat Dr. Stanislaus ?egovnik zelebrierte mit den Patres Leo Tenner und Norbert Schegel den Festgottesdienst. ?egovnik sagte Dank für die Rettung in schwerer Stunde und sprach die Hoffnung auf eine friedvolle Zukunft aus. Den Altar umgaben die Fahnen der Landsmannschaften der Sudetendeutschen, Donauschwaben, Untersteirer und Mießtaler, Gottscheer, der Siebenbürger Sachsen und der Landsmannschaft der Kanaltaler in Kärnten. Kinder aus Gurk trugen die Täfelchen mit den Aufschriften der Landsmannschaften. Auffiel unter den Gottesdienstbesuchern eine Gruppe weißgekleideter Mädchen, Nachkommen von Donauschwaben aus Franztal bei Semlin.

In seiner Predigt betonte Pater Schegel, dass es das Jahr 2005 in sich habe. Es wird an die Vertreibung ebenso erinnert wie daran, dass die heimatlos Gewordenen in Österreich eine neue Heimat fanden. 60 Jahre seien in der Geschichte eine kleine Zeitspanne, aber für die Volksdeutschen aus Ost- und Südosteuropa waren es die schicksalsträchtigsten des vergangenen Jahrhunderts. Heute könne sich niemand vorstellen, was es bedeutet, als plötzlich jemand vor der Türe stand und dazu aufforderte, binnen 20 Minuten mit zusammengerafften Habseligkeiten sein Haus zu verlassen. „Wir sagen dies immer wieder weil es sich nicht mehr ereignen sollte, doch leider geschieht es immer wieder.“ Pater Schegel betonte, dass die Heimatvertriebenen schon im August 1950 in einer Charta auf Rache und Sühne verzichtet hätten. „Wir haben nicht zu den Waffen gegriffen wie die Palästinenser. Der Glaube hat uns Kraft zur Vergebung geschenkt aber wir werden nie auf das Recht verzichten, zu sagen, woher wir stammen.“ Der Pater ist aus Allenstein in Ostpreußen gebürtig und sollte mit der später von einem Sowjet U-Boot torpedierten „Wilhelm Gustloff“ in Sicherheit gebracht werden. Er fand jedoch keinen Platz mehr und entging so der Tragödie. Nochmals betonte Schlegel, dass die Heimatvertriebenen keine Revanchisten seien, bei allem was geschehen ist. „Wir wollen mit allen in Frieden leben.“ Er rief dazu auf, gemeinsam gegen die Säkularisierung anzukämpfen. In den Fürbitten, die Heide Kalisnik las, wurde um ein Europa in Frieden und Eintracht und um ein gutes Miteinander gebeten. Die zweite Generation, die bereits in der neuen Heimat aufgewachsen ist, möge ihre Wurzeln nicht vergessen.

Der Gottesdienst wurde vom MGV des LKH Klagenfurt unter Leitung von Hermann Kitz gestaltet, die Sing- und Trachtengruppe der Gottscheer Landsmannschaft bereicherte ihn mit einigen innig gesungenen Marienliedern. Dr. Stanislaus ?egovnik hob in seinen Schlussworten hervor, dass wir alle unterwegs zu einer Heimat seien, die uns nicht genommen werden könne.

Nach dem Auszug aus dem Dom bewegten sich die Festteilnehmer durch den Markt, immer wieder herzlich begrüßt von zahllosen Zusehern. Auf dem Festplatz nahm DI Karl-Heinz Moschitz die Begrüßung vor. So hieß er Prälat Dr. Cegovnik, der selbst Mießtaler ist, in Vertretung des Bischofs, Landtagspräsident DI Jörg Freunschlag in Vertretung von LH Dr. Haider, Landesrat Dr. Josef Martinz, Vizekanzler a. D. Herbert Haupt, Bürgermeister Bundesrat Siegfried Kampl, den Bundesobmann des Verbandes der Volksdeutschen Landsmannschaften DI Rudolf Reimann, den Bundesobmann der Sudetendeutschen, Gerhard Zeihsel, den Obmann der Untersteirer in der Steiermark, HR DI Dieter Frisch, die ehemalige Landtagspräsidentin Kriemhild Trattnig mit den Goldhaubenfrauen von Treffen, die Bänderhutfrauen Gurk, die Präsidentin der Bürgerfrauen, Monika Plieschnegger, den Obmann der Kärntner Landsmannschaft, Dr. Heimo Schinnerl mit dem Villacher Bezirksobmann DI Gustav Grimschitz, DI Zingerle von den Freiheitlichen Akademikern, den ehemaligen Landesschulratspräsidenten Dr. Heiner Zechmann sowie die Obmänner der Volksdeutschen Landsmannschaften in Kärnten mit der Vorsitzenden des Landesverbandes Kärnten des VLÖ, Gerda Dreier an der Spitze willkommen. Den Ehrenschutz über die Veranstaltung hatten zuletzt noch Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel, LH Dr. Jörg Haider, die LH-Stv. Dr. Peter Ambrozy und Dr. Martin Strutz, Bischof Dr. Alois Schwarz, Superintendent Mag. Manfred Sauer, die Bürgermeister Manzenreiter und Dkfm. Scheucher sowie der Vizepräsident der Provinz Udine, Dr. Benito Carlantoni übernommen.

Auf die unvorstellbaren Leiden der Heimatvertriebenen wies Landesrat Dr. Josef Martinz hin. Er habe sich durch Besuche im Gottscheerland davon ein Bild verschafft. Bewundernswert sei es wie die Heimatvertriebenen wieder den Weg zurück in das normale Leben fanden. An die jüngere Generation appellierte Martinz, den Heimatgedanken nie aufzugeben sondern an zukünftige Generationen weiterzugeben. Die EU fördere übrigens die Pflege von Sprache und Volkstum.

Den Schicksalsweg der Heimatvertriebenen zeichnete auch Bürgermeister Siegfried Kampl nach. Viele Feiern habe es in diesem Gedenkjahr 2005 gegeben, die bewegendste finde jedoch in Gurk statt. Scharf verurteilte er das Fortbestehen der Benes-Dekrete und Avnoj-Beschlüsse und er hoffe, dass die „Gurker Deklaration“ von der Bundesregierung gehört und realisiert werde. Mit Genugtuung stellte der Bürgermeister fest, dass Gurk zu einer Stätte europäischer Begegnung geworden sei. Nicht verwunden hat Kampl die gegen ihn geführten Angriffe nach seiner Rede im Bundesrat, in der er nichts anderes getan habe, als seine Erinnerungen wachgerufen.

Die enge Verbindung zwischen der Kärntner Landsmannschaft zu den Volksdeutschen unterstrich Obmann Dr. Heimo Schinnerl. Gemeinsam wolle man kulturelle Werte bewahren. Dr. Schinnerl regte eine Ausweitung des Hauses der Heimat in Gurk zu einem Museum der Volkdeutschen an. Für Landtagspräsident DI Jörg Freunschlag ging es bei der Feierstunde um das Bewusstmachen der Geschichte des vorigen Jahrhunderts mit allem Leid, mit Vertreibung, Totschlag und Mord an Deutschen. In dem Gedenkjahr vermisse er die Balance in der Darstellung der Ereignisse. In den Medien werde immer wieder Verzeihen gefordert, doch bei der Gurker Feier sei kaum jemand von Zeitungen, Radio oder TV zu sehen. Es werde immer nur die Hälfte der Wahrheit vermittelt, sagte Freunschlag. Es sei höchst an der Zeit die Erinnerung eines jeden zu respektieren und nicht nur das Leid von Angehörigen der Siegermächte zu beklagen. Freunschlag appellierte ebenfalls, Werte wie Heimat und Gemeinschaft weiter zu pflegen, dies vor allem in Hinblick auf die Zukunft.

An die Predigt von Pater Schegel schloss die Rede des Bundesvorsitzenden des VLÖ, DI Rudolf Reimann an. Sie sei eine erschütternde Erinnerung an die Schrecken am Ende des Zweiten Weltkrieges gewesen. Dessen ungeachtet hätten die Heimatvertriebenen bereits im August 1950 eine Charta der Heimatvertriebenen verabschiedet, in der Rache und Sühne abgesagt wurde. „Wir haben keine Panzer geholt, wir sind im Pulverfass Europas kein Zündstoff gewesen und wir haben auch um keine Sozialhilfe gebettelt sondern wir haben hart gearbeitet als Knechte und als Trümmerfrauen und Trümmermänner. So haben wir zum Wiederaufbau Österreichs und Europas beigetragen.“ 15 Millionen Vertriebene deutscher Zunge hätten mit den Grundstock für die Einigung des Kontinents gelegt.

Der verstorbene Bundespräsident Franz Jonas habe in diesem Zusammenhang vom größten Friedenswerk Europas gesprochen. Bedauerlicherweise hätten Slowenien und Tschechien im Gegensatz zu Ungarn, Rumänien, Kroatien und zuletzt sogar von Serbien, noch immer nicht die menschenverachtenden Gesetze der Kriegs- und Nachkriegszeit außer Kraft gesetzt. Prag lehne eine Wiedergutmachung ab, Slowenien habe die deutsche Minderheit noch immer nicht in die Verfassung aufgenommen. Gurk würdigte DI Reimann als Zentrum der Vertriebenen und dankte Bürgermeister Kampl für seine nimmermüden Anstrengungen um die Heimatvertriebenen.

Die „Gurker Deklaration“ wurde vom Geschäftsführer des VLÖ Mag. Wassertheurer verlesen und fand bei den rund tausend Teilnehmern volle Zustimmung. Es wird darin an die Charta der Vertriebenen erinnert und die europäischen Regierungen dazu aufgefordert, die Rechte von nationalen Minderheiten verfassungsrechtlich zu garantieren. Im Sinne der Resolution des Europäischen Parlaments vom 15. April 1999 möge dafür gesorgt werden, dass fortbestehende Gesetze und Dekrete aus den Jahren 1945 und 1946 aufgehoben werden, die sich auf die Vertreibung aus der ehemaligen Tschechoslowakei und dem ehemaligen Jugoslawien beziehen. Weiters möge man sich dafür einsetzen, das Volksdeutsche die Zwangsarbeit leisten mussten und durch die Aussiedlung körperlichen Schaden erleiden mussten, aus dem bestehenden Entschädigungsfonds einen gleichen Anteil zuerkannt bekommen. Schließlich wird gefordert, sich dafür einzusetzen, dass jede Verharmlosung von Gewaltverbrechen gegen unschuldige Heimatvertriebene verurteilt wird und dass auch rechtliche Möglichkeiten für eine Anklage geschaffen werden.

Die Feierstunde war Anlass DI Walter Kudlich, Vorsitzender des Vereins des Bauernbefreiers, auszuzeichnen. Die Ehrenurkunde für die Errichtung des Kudlich-Denkmales in Schloss Krastowitz überreichte VLÖ Obfrau Gerda Dreier. Gleichzeitig dankte sie Bürgermeister Kampl für die fruchtbringende Zusammenarbeit. DI Kudlich versprach auch weiterhin mitzuhelfen, dass die Spuren der Sudetendeutschen nicht verwischt werden. Als Hauptinitiator des Denkmales in Krastowitz bezeichnete er Sepp Ertl aus Uggowitz.

Nachdem auch DI Moschitz Gurk als Heimstätte der Vertriebenen bezeichnet hatte, dankte er für die große Teilnahme an der Feierstunde, die mit der Bundeshymne ausklang.

Heinz Stritzl